Deutschland gewinnt - trotzdem noch viel Arbeit
Samstag, 31. Mai 2008 | Autor: Sportsmann
Das Spiel gegen Serbien werdet ihr sicher selbst verfolgt haben. Nachfolgend noch ein paar Kritikpunkte am Spiel der deutschen Nationalmannschaft, die in den nächsten Tagen und Spielen abgestellt werden sollten, um erfolgreich das kommende Turnier bestreiten zu können:
Generell ist das Tempo im Spiel zu erhöhen, um die gegnerische Defensive zu überraschen und vor nicht kalkulierbare Spielsituationen zu stellen. Dass darunter die Präzision des eigenen Spiels unter Umständen leiden kann, ist klar. Aber heute gegen Serbien haben wir geringes Tempo und fehlende Präzision gesehen - mit Ausnahme von Michael Ballack. So wird man aber kaum in einem Turnier gegen die stärksten Mannschaften der Welt bestehen können. Auch die Einwurf- und Freistoßsituationen müssen schneller und variabler ausgeführt werden - es sollte für die besten Spieler eines Landes eigentlich kein Problem darstellen, sich vorher schon über entsprechende offensiv ausgerichtete Laufwege bei einem Einwurf auszutauschen. Denn wenn der Ball 10 Sekunden nach einem eigenen Einwurf weit in der gegnerischen Hälfte beim eigenen Innenverteidiger angekommen ist, dann hat man nicht viel richtig gemacht.
Die Spieleröffnung durch die Innenverteidiger war gegen Serbien - vor allem im Nicht-Zusammenspiel mit den Außenverteigern - eine Katastrophe. Es ist klar, dass man als Verteidiger sehr sicherheitsorientiert agiert, aber ein wenig Variabilität und Risiko darf es schon sein, sonst endet die Europameisterschaft für Deutschland wie 2000 und 2004. Der Ball muss durch die Innenverteitiger schnell auf die Außenpositionen gepasst werden - und zwar nicht mit einem Querpass, sondern mit einem Diagonalpass, so dass Raum überwunden wird und die defensiven Mittelfeldspieler Ballack und Frings sich dann noch offensiver orientieren und ihre Schussstärke in Straumraumnähe ausspielen können. Wenn Mertesacker oder Metzelder aber erst 20 Meter in 5,6 oder 7 Sekunden mit dem Ball am Fuß in Richtung Mittelfeld traben, dann hat sich der Gegner sortiert, das unmittelbare Spieltableau wurde verengt und die dann gespielten Pässe bringen die Mitspieler in Verlegenheit, weil sie nicht frei den Ball annehmen können, sondern schon bei der Ballannahme von Gegenspielern behindert werden. So wird der eigene Spielfluss enorm gehemmt. Durch schnelleres Spiel können einfach viel mehr Torraumsituationen erzwungen werden; und davon benötigt Deutschland sehr viele, weil wir über keinen Weltklasse-Stürmer verfügen, der aus zwei Torchancen drei Tore macht.
Die Ausführung der Ecken sollte man auch noch einmal genauer absprechen; Frings Ecken waren zu kurz, und Schweinsteigers Ecken zu lang. Es ergibt dann keinen Sinn, dass die großen Innenverteidiger nach vorne für einen Kopfball kommen. Stattdessen könnte man ohne das Warten auf die Innenverteidiger die Ecken auch schneller ausführen. Oder man postiert Spieler etwas vor dem ersten Pfosten und etwas nach dem zweiten Pfosten zur Balleroberung, wenn man davon ausgeht, dass die Eckenschützen den Ball zu ungenau in den Torraum bringen.
Der letzte Punkt, den ich hier ansprechen möchte, betrifft das über weite Strecken sehr umständliche Spiel im Strafraum bzw. in Strafraumnähe - man muss sich nicht zigmal den Ball zuspielen, wenn dadurch keine gefährlichere Spielsituation entsteht. Einfach mal aufs Tor abziehen! Fertig! Mit Glück wird der Ball abgefälscht - unhaltbar ins Tor, zur Ecke oder zu einem Mitspieler. Aber Pass über Pass, ohne wirklich den Torabschluss zu erzwingen, ist umständlich und führt selten zum Erfolg.
Gegenwärtig sähe meine Startformation so aus:
Gomez
Podolski Klose
Schweinsteiger
Frings Ballack
Jansen Metzelder Mertesacker Lahm
Lehmann
Podolski rein - einfach zum Abziehen aufs Tor. Ballack müsste leider aufgrund fehlender Alternativen defensiver agieren. Aber so wird Löw wohl nicht spielen lassen.
