Deutschland Spanien Tipp Finale EM 2008
Freitag, 27. Juni 2008 | Autor: Sportsmann
Im Finale der Europameisterschaft 2008 treffen am Sonntag Deutschland und Spanien aufeinander. Wenn auch beide Teams zum Favoritenkreis vor dem Turnier zählten, hätten doch vermutlich nur wenige auf diese Finalpaarung gewettet. Deutschland traut man seit jeher alles zu, unabhängig von der tatsächlichen Leistungsstärke. Aber dass Spanien es wirklich schafft, sein Potential auszuschöpfen und auch kritische Momente wie das Elfmeterschießen gegen Italien zu überstehen, ist doch letztlich überraschend gewesen.
Die älteren Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden sich sicher noch erinnern können: am 16. August 2000 begann mit einem fulminanten 4:1-Sieg gegen Spanien in Hannover die Ära Rudi Völler. Jeweils zwei Tore erzielten Mehmet Scholl und Alexander Zickler; das Gegentor erzielte Raul. Mit Michael Ballack und Oliver Neuville stehen nur noch zwei Spieler im aktuellen Kader, die auch 2000 schon am Spiel teilgenommen haben.
Insgesamt gab es bei Welt- und Europameisterschaften fünf Begegnungen in der jeweiligen Gruppenphase, also noch kein Spiel in der K.o.-Runde:
- WM 1966 Deutschland gegen Spanien 2:1
- WM 1982 Deutschland gegen Spanien 2:1
- EM 1984 Spanien gegen Deutschland 1:0
- EM 1988 Deutschland gegen Spanien 2:0
- WM 1994 Deutschland gegen Spanien 1:1
Rückblick auf die Halbfinalspiele von Deutschland und Spanien
Die deutsche Mannschaft ist ein Phänomen. Wie schon unzählige Male in den vergangenen Jahrzehnten konnte sie sich trotz zum Teil nicht gänzlich überzeugender Leistungen ins Finale vorspielen. Gegen die Türkei war Deutschland schwach und konnte nur dank einer unnachahmlichen Effektivität im Torabschluss gewinnen. Besonders in der ersten Halbzeit traute man seinen Augen nicht, denn die Türkei spielte das deutsche Team an die Wand und erarbeitete sich zahlreiche Chancen. Selbst der ansonsten zuverlässige Philip Lahm ließ sich von der Unsicherheit seiner Kollegen anstecken und leistete sich fürchterliche Fehler. Dass er dann das entscheidende Tor kurz vor Schluss erzielte, gehörte zur großartigen Dramatik dieses Spiels.
Spanien dominierte im EM-Halbfinale von Anfang an gegen müde Russen, die nicht ansatzweise an ihre vorher im Turnier gezeigten Leistungen anknüpfen konnten. Die zwei Schlüsselspieler der russischen Mannschaft wurden völlig aus dem Spiel genommen. Der rechte Verteidiger Sergio Ramos entnervte Yuri Zhirkov und verlor defensiv fast keinen Zweikampf. Zudem konnte er auch noch offensiv Akzente setzen. Noch schlimmer erwischte es Andrey Arshavin, der im spanischen Mittelfeld unterging. Insbesondere Marcos Senna auf der Sechser-Position schränkte seine Kreise massiv ein. Und wenn die Spanier dann einmal in Führung gehen, sind sie fast nicht mehr zu schlagen. Durch ihre hohe Ballsicherheit ließen sie den Gegner laufen und kamen immer wieder zu guten Chancen.
Stärken und Schwächen im bisherigen Turnierverlauf
Die größte Schwäche des deutschen Teams ist die Defensive. Hatte man vor dem Turnier vor allem bei Christoph Metzelder Schwächen ausgemacht, so ist in den letzten beiden Spielen auch noch Per Mertesacker zum Sicherheitsrisiko geworden. Gegen die Türkei wirkte auch Arne Friedrich als rechter Verteidiger oft überfordert und auf Links machte Philipp Lahm defensiv eines seiner schlechtesten Spiele überhaupt. Simon Rolfes konnte seine Leistung aus dem Portugalspiel nicht wiederholen und so wackelte das gesamte Defensivgebilde. Allerdings hat dieser Mannschaftsteil in keinem Spiel sicher gewirkt. Schon dreimal in fünf Spielen gab es jeweils zwei Gegentore. Mit dieser Bilanz überhaupt ins Finale einzuziehen, ist schon ein mittleres Wunder.
Dies ist nur zu erklären mit der Kaltschnäuzigkeit beim Nutzen der eigenen Torchancen. Bisher war es die große Stärke der DFB-Elf viel weniger Möglichkeiten als der Gegner für ein Tor zu benötigen. Dazu kommt, dass die beiden Außenpositionen im Mittelfeld von Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger in der Offensive sehr gut besetzt werden. Beide spielen eine gute Europameisterschaft und sorgen mit Einzelaktionen für Highlights im Spiel nach vorne.
Die Spanier haben bei der Europameisterschaft kaum Schwächen gezeigt und konnten sogar gegen italienische Defensivkünstler gewinnen. In der Vorrunde marschierte das Team problemlos und gewann auch das letzte Gruppenspiel, obwohl man mit einer B-Elf antrat. Zweimal die starken Russen auf dem Weg ins Finale deutlich zu schlagen, ist alleine schon eine sehr eindrucksvolle Leistung. Allerdings ist Spanien in keinem Spiel bisher unter Druck gekommen. Es wäre deshalb sehr interessant herauszufinden, wie dieses Team mit einem Rückstand umgeht.
Eine Schwäche, auch wenn sie bisher kaum zum Tragen gekommen ist, sollte die spanische Mannschaft bei hohen Bällen haben. Es gibt im Team keinen überragenden Kopfballspieler und auch die starke Innenverteidigung um Carles Puyol hat ihre Stärken eher am Boden. Torhüter Iker Casillas ist ebenfalls eher für seine brillanten Fähigkeiten auf der Linie als für seine Strafraumbeherrschung bekannt. Mit Ballack, Klose, Metzelder, Mertesacker und Friedrich sollte die deutsche Mannschaft bei Standards ihre Möglichkeiten für eigene Tore haben.
Mögliche Taktik und Aufstellung für das EM-Finalspiel Deutschland gegen Spanien
Jogi Löw steht vor einer schwierigen Frage. Soll er das 4-2-3-1, das gegen Portugal so brillant und gegen die Türkei überhaupt nicht funktioniert hat, auch im Finale spielen lassen? Oder soll er wieder zurück zum 4-4-2-System? Gegen die Taktik mit einer Spitze spricht, dass die Außenbahnen vernachlässigt zugunsten einer massiven Verteidigung der Mitte werden. Gerade gegen die Spanier könnte dies zum Problem werden, da diese ihr Spiel sehr breit anlegen und mit Iniesta und David Silva viele Angriffe über die Außenbahnen inszenieren. Auf der rechten Seite rückt zudem Sergio Ramos immer wieder nach und sorgt für viel Gefahr.
Anstatt aber in Ehrfurcht zu erstarren und sich vor dem spielstarken Mittelfeld der Spanier austanzen zu lassen, könnten eine offensive Taktik mit zwei Stürmern den Spaniern die Lust am eigenen Spiel nehmen. Der linke Mittelfeldspieler könnte dann Sergio Ramos in der eigenen Defensive binden. Gegen die Italiener konnte man beobachten, dass die Spanier nicht damit zurechtkommen, wenn Sie hart und kompromisslos attackiert werden. Gerade Xavi und Iniesta muss man schon bei der Ballannahme stören und darf sie nicht zur Entfaltung kommen lassen.
Die spanische Elf wird im Finale vermutlich in einer anderen Formation antreten als im bisherigen Turnierverlauf. Am wahrscheinlichsten scheint es, dass nach der Verletzung von David Villa (Zerrung) eine Umstellung auf ein 4-1-4-1 erfolgen wird. Oft wurde diese Umstellung während der Spiele gemacht, wenn einer der Stürmer ausgewechselt wurde. Das Spiel der Spanier verliert in dieser taktischen Grundordnung etwas an Tiefe, da auch Fernando Torres kein absoluter Mittelstürmer ist, sondern sich immer wieder auf die Außenposition verschiebt. Der Vorteil dieser Formation ist, dass aus dem Mittelfeld ständig unterschiedliche Spieler in die Spitze stoßen und damit der unsicheren deutschen Innenverteidigung eine große Aufgabe gestellt wird.
Der Schlüssel für Spanien liegt auch gegen Deutschland in einer kompakten Defensive, die bislang sehr gut funktioniert hat. Obwohl vor allem die spanische Offensive gelobt wird, ist das spanische Team auch defensiv sehr gut organisiert und verfügt mit Marcos Senna über einen herausragenden Spieler auf der Sechser-Position. Erst dadurch kann das brillante Mittelfeld seine Stärken ausspielen.
Sicher scheint, dass Torsten Frings für Simon Rolfes in die deutsche Mannschaft zurückkehrt. Ansonsten sind Umstellungen unwahrscheinlich, denn selbst in einem System mit zwei Spitzen würde wohl Thomas Hitzlsperger auf die linke Seite rücken und Podolski in den Sturm.
Luis Aragones muss seine Startformation ändern und hat im Prinzip nur zwei Möglichkeiten. Er könnte mit David Güiza einen zweiten Stürmer bringen, würde sich damit aber eines torgefährlichen Jokers berauben, oder er wird Cesc Fabregas ins Mittelfeld von Anfang integrieren.
Tipp für das EM-Finale Deutschland gegen Spanien
Aufgrund der Konstanz im bisherigen Turnierverlauf, der technischen Brillanz, der Kompaktheit in der Defensive und der besseren Einzelspieler geht Spanien als klarer Favorit in das EM-Finale 2008 gegen Deutschland. Die deutsche Nationalmannschaft hat nur dann eine Chance, wenn sie alle bisher im Turnier vereinzelt gezeigten Qualitäten im Finale alle zusammen einbringen können. Zu diesen Stärken zählen vor allem taktische Disziplin, Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten, Effektivität im Torabschluss und Siegmentalität. Dazu werden sie in der Lage sein, so dass ein 2:1 für Deutschland ein nicht allzu optimistischer Tipps ist.

Dienstag, 28. Juli 2009
Naja da hat der Tipp ja fast gepasst. Im Finale war Deutschland wirklich unterlegen und der Sieg ist den Spaniern hoch anzuerkennen!