Deutschland Türkei Tipps fürs EM-Halbfinale

Samstag, 21. Juni 2008 | Autor: Sportsmann


Das erste Halbfinale der Europameisterschaft 2008 am Mittwoch, den 25. Juni 2008, bestreiten Deutschland und die Türkei, die sich im Viertelfinale gegen die favorisierten Mannschaften aus Portugal und Kroatien durchsetzten. Beide Mannschaften standen sich schon 17-mal gegenüber, wobei Deutschland elfmal und die Türkei dreimal gewinnen konnte; auch das Torverhältnis ist mit 40:10 recht eindeutig. Allerdings konnten die Türken zwei der letzten drei Aufeinandertreffen für sich entscheiden.

Ganz Deutschland fiebert dem Halbfinale gegen die Türkei entgegen. Alleine 2,5 Millionen türkischstämmige Bürger werden ihrer Mannschaft die Daumen drücken und hoffen auf ein Fußballwunder. Brisant könnte die Situation werden, wenn das Spiel durch einen strittigen oder ungerechtfertigten Pfiff seitens des Schiedsrichters entschieden wird. Da durch das Public Viewing vielerorts Türken und Deutsche gemeinsam schauen werden, wäre eine Eskalation verheerend. Trotz aller Risiken durch Emotionen wird am Mittwoch vor allem ein großes Volksfest stattfinden. Dabei werden Menschen verschiedener Kulturen, die schon seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben, hoffentlich ihrer ihre Rivalität einzig im Wettsingen und Anfeuern austragen.

Rückblick auf den bisherigen Turnierverlauf beider Mannschaften

Deutschland ist sehr gut in die diesjährige Europameisterschaft gestartet und konnte gegen Polen (2:0) ein überzeugendes, aber keineswegs fehlerfreies Spiel zeigen. Danach bildete sich im Publikum und den Medien die Meinung, dass der EM-Titel nur noch Formsache sein würde und irgendwie muss dieses schiefe Denken in die Köpfe der Spieler gewandert sein. Denn gegen Kroatien (1:2) ließ man all das vermissen, was seit der Ära Klinsmann zum festen Repertoire gehört. Anstatt aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen und Druck nach vorne zu entwickeln, ließ man sich schon in den ersten Minuten den Schneid abkaufen. Im dritten Gruppenspiel gegen Österreich konnte man eine Reaktion feststellen, aber insgesamt blieb die Leistung doch schwach. Im Viertelfinale gegen Portugal (3:2) wurde schon nach wenigen Aktionen deutlich, dass die deutsche Mannschaft sich auf ihre Fähigkeiten besonnen hatte. Dass sie auch das Glück hatte, zum richtigen Zeitpunkt die Tore zu schießen, gehört zur Wahrheit dazu. Allerdings war dieses Glück hoch verdient.

Wer nach dem ersten Vorrundenspiel auf einen Halbfinaleinzug der Türkei gewettet hat, muss entweder ein Hellseher, ein Zocker oder ein gnadenloser Optimist gewesen sein. Denn in dieser Auftaktpartie (0:2) zeigte die türkische Mannschaft eine fürchterlich schlechte Leistung und war den brillant aufspielenden Portugiesen in jeder Hinsicht unterlegen. So chancenlos hatte man die Türken nicht erwarten können, obwohl sie von Anfang an zu den Außenseitern bei diesem Turnier gehörten. Gegen die Schweiz (2:1) begann dann die wundersame Geschichte der türkischen Last-Minute-Siege, deren Muster seitdem immer gleich ist. Obwohl die gegnerische Mannschaft über weite Strecken das Spiel macht und irgendwann folgerichtig in Führung geht, schießen die Türken kurz vor Schluss noch die entscheidenden Tore. Gegen die Schweiz und Tschechien (3:2) reichte es zum Sieg in 90 Minuten, Kroatien rang man im Elfmeterschießen (4:2) nieder.

Taktik für das Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei

Die deutsche Mannschaft hat im Viertelfinale eins der besten Spiele in den letzten Jahren abgeliefert. Dennoch gibt es immer noch Schwachstellen, die sich nicht zuletzt in zwei Gegentoren niedergeschlagen haben. Auch gegen Portugal gab es Phasen, in denen zu viel Passivität in der deutschen Mannschaft war und dem Gegner dadurch Räume eröffnet wurden. Dies ist keine Frage der Kraft, sondern vor allem eine Frage der taktischen Stabilität und der Ordnung im Raum. Die beiden Außenpositionen im Mittelfeld müssen besser defensiv mitarbeiten und sich cleverer im Stellungsspiel verhalten. Dass Podolski dabei Fehler macht ist verständlich, da er gelernter Stürmer ist. Aber einem Schweinsteiger darf dies auf seiner Stammposition nicht passieren. Im Mittelfeld muss Löw sich die Frage stellen, ob er wieder mit zwei Sechsern hinter Michael Ballack spielen will (4-5-1) oder zum alten System (4-4-2) zurückkehrt, um durch zwei zentrale Stürmer die komplette türkische Verteidigung zu binden. Aber da die Türken ihre Angriffe vor allem durch die Mitte vortragen und auf den eigenen Außenpositionen nicht besonders gut besetzt sind, könnte die Portugal-Taktik auch für das Türkei-Spiel richtig sein.

Die Türkei geht als großer Außenseiter in das Halbfinale gegen Deutschland. In dieser Rolle liegt aber eine Chance, da der Druck auf der deutschen Elf immens sein wird und die Türken befreit aufspielen können. Bislang haben die Türken immer erst zum Ende des Spiels ihre wahre Stärke gezeigt, aber gegen Deutschland sollten sie sich nicht darauf verlassen, dass dies wieder gelingen wird. Vielleicht schafft die Türkei es sogar, die Deutschen mit einer offensiven Taktik zu überraschen. Sollte die Führung gelingen, würde es ein unglaublich schweres Spiel gegen die aufopfernd kämpfenden Spieler von Fatih Terim. Wie das gehen kann, haben die Kroaten gezeigt. Die deutsche Abwehr ist verwundbar und unter Druck anfällig. Um allerdings überhaupt eine Chance zu haben, muss man von Beginn an in den Zweikämpfen präsent sein. Doch nach den letzten Eindrücken sind diese Gedanken mehr Wunschtraum denn Realität. Viele Leistungsträger stehen verletzt oder gesperrt nicht zur Verfügung und irgendwann gehen sogar der Türkei die Wunder aus.

Aufstellung für das Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei

Entscheidender als die Formation wird sein, dass die richtigen Leute in der Startelf stehen. Etwas untergegangen im Podolski-Schweinsteiger-Wirbel ist die glänzende Leistung von Simon Rolfes. Der Leverkusener war hauptverantwortlich für das schnelle und direkte Spiel nach vorne, verlagerte immer wieder klug und zeigte eine beeindruckende Ruhe in brenzligen Situationen. So ein Mann hatte dem deutschen Spiel gefehlt und es wäre unverständlich, wenn Rolfes aus dem Team genommen würde. Auch Thomas Hitzlspergers Leistung war überzeugend. Er war zweikampfstark und sorgte im Verbund mit Michael Ballack und Rolfes für ein konstruktives Aufbauspiel.

Auch wenn Torsten Frings wieder bereit steht, sollte Löw sich gut überlegen, ob er eine funktionierende Elf verändern möchte. Vielleicht kann ihn der Bundestrainer davon überzeugen, dass er noch verletzt ist und so eine halbwegs elegante Lösung für dieses Luxusproblem finden. Auf allen anderen Positionen gibt es keinen Grund zur Veränderung. Miroslav Klose hat nicht überragend gespielt, dafür aber getroffen und Arne Friedrich hat seine Sache rechter Außenverteidiger sehr gut gemacht.

Der türkische Kader gleicht immer mehr einem Schweizer Käse. Torhüter Volkan, Emre Asik, Tuncay und Arda sind gesperrt. Nihat (Leiste), Emre Güngör (Muskelfaserriss) und Emre Belözoglu fallen wegen Verletzungen sicher aus und der Einsatz von Servet und Tümer ist mehr als fraglich. Damit muss der türkische Trainer Terim auf bis zu neun Spieler verzichten, die allesamt zum Stamm gehören. Wichtig wäre der Einsatz des kopfballstarken Servet, der gegen Ballack und Co. in der Luft lebensnotwendig wäre. Die anderen Ausfälle, insbesondere Nihat, Arda und Volkan, sind nicht gleichwertig ersetzbar. Vermutlich wird Hamit Altintop zur zentralen Figur werden, welche die Notelf ins Finale führen soll. Er verfügt über internationale Erfahrung und hat nach einer guten Saison bei den Bayern bei der Europameisterschaft seine Klasse bereits nachgewiesen. Vielleicht gibt es auch noch eine Spontanheilung bei dem einen oder anderen Spieler, aber selbst wenn der gesamte Kader zur Verfügung stände, bliebe die Türkei in der Außenseiterrolle. Nur wenn die verbleibenden Spieler über die Schmerzgrenze hinausgehen und, unabhängig von der Taktik, als Team funktionieren, besteht eine halbwegs realistische Chance, nicht unter die Räder zu kommen.

EM-Tipp für das Halbfinalspiel Deutschland gegen die Türkei

Eine Niederlage gegen die angeschlagene türkische Mannschaft wäre eine große Blamage und würde das Team von Jogi Löw weit zurückwerfen. Aber dass diese Art von Druck die Beine lähmen kann, konnte man bereits gegen Österreich beobachten. Mit einer frühen deutschen Führung könnte es eine sehr einseitige Partie werden, aber wenn es lange 0:0 stehen sollte oder die Türkei sogar das 1:0 erzielen kann, wird die deutsche Mannschaft all ihre Talente und Fähigkeiten in die Waagschale werfen müssen. Der größte Fehler wäre es, die Türken zu unterschätzen. Allerdings sehe ich dieses Problem bei diesem Spiel nicht, denn die deutschen Spieler wissen worum es geht und werden konzentriert das Spiel bestreiten. Die Türken dagegen könnten sich zu sehr darauf verlassen, ein Spiel auch am Ende noch umbiegen zu können. Außerdem fehlt den türkischen Spielern die internationale Erfahrung, die zum Beispiel notwendig ist, um sich die Kräfte vernünftig einzuteilen und schnell Lösungen für komplexe Spielsituationen zu finden. Daher tippe ich auf ein 3:1 für Deutschland, mit einem obligatorischen späten türkischen Treffer, der aber nichts nutzen wird.

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Thema: Europameisterschaft Fußball, Sportwetten-Tipps

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3 Kommentare

  1. 1
    Sportsmann 
    Donnerstag, 26. Juni 2008

    Wenig souverän ins 13. Finale einer deutschen Mannschaft bei Europa- oder Weltmeisterschaften eingezogen. Aber letztendlich völlig verdient. Die deutsche Mannschaft hat Moral bewiesen und die passende Antwort auf den obligatorischen späten Treffer der Türken gegeben.

  2. 2
    Türkischer Sportsmann 
    Sonntag, 3. August 2008

    Naja ich hab gehofft das wir türken gewinnen aber was solls war ja nicht die lettzde EM :D ( und eine WM gibts ja auch nocht)

    Und den Deutschen nehme ich das überhaupt nicht übel,klar jeder will in’s finale.
    Im finale war ich auch für Die deutschen weil ich selber hier in deutschland lebe,aber leider wurde das nichts mit Europameister für die deutschen.

    Und die türken die scheiss deutsche sagen ignoriert die einfach das sind halt mmer diese ”Ghetto Assis” Deren Gott Eko Fresh ist -.- (ihr macht uns unbeliebt in deutschland)

  1. [...] Deutschland gegen Türkei - Basel, St. Jakob-Park, 25. Juni 2008, 20.45 Uhr [...]

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