EM-Spiele Tipps Österreich Kroatien
Samstag, 7. Juni 2008 | Autor: Sportsmann
Seit der Unabhängigkeit von Jugoslawien trafen die “Karierten” dreimal auf die österreichische Nationalmannschaft. Als Sieger gingen immer die Kroaten vom Feld. Bei dem letzten Aufeinandertreffen am 23.05.2006 endete das Spiel 4:1 in Wien - für die Kroaten. Österreich nimmt zum ersten Mal an einer Europameisterschaft teil. Bisher gab es vier Mannschaften, die bei ihrem Debüt auch Europameister wurden: Sowjetunion (1960), Spanien (1964), Italien (1968) und die BR Deutschland (1972). Bisher konnte ein gastgebendes Land dreimal als Europameister triumphieren: Spanien (1964), Italien (1968) und Frankreich (1984). Kroatien nimmt schon zum dritten Mal an einer Europameisterschaft teil; 1996 scheiterte es im Viertelfinale an Deutschland. Zudem wurden insgesamt die letzten fünf Spiele Kroatiens bei einer Europameisterschaft nicht gewonnen.
Derzeitige Form und die letzten Ergebnisse
Die Vorbereitungsspiele der kroatischen Fußballmannschaft, unter ihrem charismatischen Trainer Slaven Bilic, waren mäßig. Gegen die Niederlande ging das Spiel auf heimischen Platz mit 0:3 verloren. In Schottland kamen die “Karierten” über ein 1:1 im März nicht hinaus. Der Spielverlauf war dabei sehr ruppig. Ebenso wenig schmeichelhaft waren die beiden letzten Testspiele gegen Moldawien, das mit einem mageren 1:0 für die Kicker vom Balkan endete, und ein 1:1 gegen die zweitklassigen Ungarn.
Seit 2006 betreut Josef Hickersberger die österreichische Nationalmannschaft. Seine Erfolge in dieser Zeit waren eher bescheidener Natur. Er musste die schlechteste Länderspielserie seit 1974 verantworten. Die Negativserie wurde erst am 17.10.2007 im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste in Innsbruck beendet. 3:2 stand es am Ende für die Rot-Weißen. Eine Sensation wäre dem Team von Josef Hickersberger beinahe am 26.03.2008 geglückt: 3:0 führte seine Mannschaft in der Halbzeit gegen die Niederlande. Am Ende gewannen die Gäste aber mit 3:4.
Mit Malta holte sich Ende Mai die ÖFB-Auswahl einen passenden Sparringspartner. Mit 5:1 gewannen die Österreicher gegen die Amateure der Mittelmeerinsel, was sich positiv auf die Psyche der Mannschaft auswirkte, aber was natürlich kein Maßstab für die Europameisterschaft sein sollte.
Stärken und Schwächen von Österreich und Kroatien
Von der Altersstruktur her ist der Kader der Österreicher unausgeglichen. Sieben Spieler sind über 30 Jahre alt. Der Großteil der Fußballmannschaft von Josef Hickersberger spielt in der österreichischen Liga. Die Legionäre des Kaders zählen in ihren Vereinsmannschaften weniger zu den Leistungsträgern. Josef Hickersberger wollte er sich eigentlich bis zum vergangenen Mittwoch festlegen, wer als Torwart zwischen den Pfosten bei der Europameisterschaft stehen wird. Nach wie vor ist es in der Öffentlichkeit nicht bekannt, ob es Jürgen Macho oder Alexander Manninger sein wird.
Für Manninger würde sprechen, dass er 26-mal das österreichische Tor hütete und bei seinem italienischen Club AC Siena in der Serie A 40-mal eingesetzt wurde. Bei dem gleichaltrigen Macho stehen nur 13 Einsätze für die Nationalmannschaft und 17 für seinen griechischen Verein AEK Athen zu Buche. Bei seinem früheren Bundesligaverein, dem 1. FC Kaiserslautern, konnte Macho wenig überzeugen und war oft verletzt.
Die große Schwäche von Alexander Manninger sind die Flanken. Hier ist ihm, im Nationaltor und in der italienischen Serie A, des Öfteren ein Malheur passiert. Sein Konkurrent um die Nummer eins, Jürgen Macho, ist unsicher beim Herauslaufen und Abfangen gegnerischer Konter. So oder so zeigt die Torhüterdiskussion in Österreich die große Unsicherheit - mit einer klaren Entscheidung hätte der Trainer die Nummer 1 stärken können. So steht der eingesetzte Torwart nun noch mehr unter Druck; und die Torwartposition bleibt die größte Schwäche der Österreicher.
Josef Hickersberger wird daher defensiv spielen lassen und aus der Defensive heraus versuchen, den Erfolg im blitzschnellen Kontern zu suchen. Diese Taktik war bereits gegen die Niederländer, zumindest in einer Halbzeit, erfolgreich. Problematisch dürfte dabei die konditionelle Verfassung der Österreicher werden. Mit dieser ist es weniger zum Guten bestellt. Vor allem die Hintermannschaft der Österreicher muss 90 Minuten lang hoch konzentriert gegen die Kroaten agieren, wenn sie zum Erfolg kommen wollen. Da das österreichische Mittelfeld, außer mit Rene Aufhauser, eher mäßig besetzt ist, wird Martin Stranzl diesen Routinier als Anspielstation nutzen. Von dort aus wird er mit weiten Bällen seine Stürmer Richtung kroatisches Tor treiben - mehr oder weniger muss Österreich dabei auf glückliche Fügungen hoffen, dass in der kroatischen Hintermannschaft gepatzt wird.
Dabei ist der 23-köpfige Kader der kroatischen Mannschaft relativ ausgeglichen besetzt, wobei sie vor allem sehr spielstark sind und ballsicher agieren. Bis auf die Mittelfeldspieler Ognjen Vukojevic und Luka Modric (beide Dinamo Zagreb) sowie dem 20-jährigen Stürmer Nikola Kalinic (Hajduk Split) besteht die kroatische Mannschaft aus Legionären. Alleine sechs Spieler verdienen ihr Geld bei Bundesligavereinen. Der kroatischen Mannschaft wird aber ihr torgefährlicher Stürmer Eduardo Alves da Silva verletzungsbedingt fehlen. Der Stürmer vom FC Arsenal avancierte mit 12 Treffern in zehn Qualifikationsspielen für die EM 2008 zum zweitbesten Torjäger der Qualifikationsrunde.
Taktisch steht die Elf von Slaven Bilic sehr kompakt auf dem Platz. Schnelle und präzise Konter sind die Spezialität dieser Mannschaft. Die Kroaten werden mit den Österreichern im Mittelfeld die Zweikämpfe suchen. Der effizienten und erfahrenen kroatischen Mittelfeldachse werden die Österreicher außer viel Kampfgeist wenig entgegensetzen können.
Schlüsselspieler von Österreich und Kroatien
Ein ruhender Pol im defensiven Mittelfeld der Österreicher ist Rene Aufhauser von Red Bull Salzburg. Am Sonntag wird er gegen Kroatien sein 52. Länderspiel bestreiten. Er ist somit der Nationalspieler mit der größten Länderspielerfahrung. Elf Treffer konnte der 31-jährige Mittelfeldspieler für seine Nationalmannschaft erzielen. Routiniert steuert er seine Stürmerkollegen vom Mittelfeld aus und hilft in der Abwehr beherzt aus.
Das Pendant zu Robert Kovac ist der Österreicher Emanuel Pogatetz. In seinem Ligaverein, dem englischen FC Middlesbrough, wird er nur “mad dog” genannt. Er ist absolut kompromisslos, wenn es darum geht, die gegnerischen Stürmer zu stoppen. Allerdings geht er bei seinen Einsätzen oft über das erlaubte Maß hinaus. Wenn Pogatetz viele Fouls in Strafraumnähe verursacht, dann werden sich torgefährliche Situationen für die Kroaten ergeben. Außerdem würde eine frühe gelbe Karte für Pogatetz das Abwehrspiel der Österreicher beschränken und Freiräume für Kroatien schaffen. Viel wird daher auch vom bundesligaerfahrenen Martin Stranzl in der Abwehr der österreichischen Mannschaft abhängen. Neun Jahre spielte er in Deutschland und ist nun bei Spartak Moskau unter Vertrag. Er ist der Leitwolf der Abwehr und hat einen sehr guten Überblick.
Die größten Stützen auf dem Platz werden für den kroatischen Trainer die Bundesligaprofis Mladen Petric (Borussia Dortmund), Ivica Olic (HSV) und Ivan Klasnic (Werder Bremen) im Sturm sein. Der 37 Jahre alte Routinier Niko Kovac (Red Bull Salzburg) wird das Mittelfeld der “Karierten” dirigieren. Sein jüngerer Bruder Robert Kovac (Borussia Dortmund) und Josip Simunic (Hertha BSC) sind die Chefs in der Abwehr. Beide sind alles andere als zimperliche Abwehrspieler. In der Qualifikationsgruppe E wurden die Kroaten - unter anderem mit zwei Siegen gegen England - überlegen Gruppensieger. Nur acht Gegentreffer verdeutlichen, was für ein Bollwerk die österreichischen Stürmer überwinden müssen.
EM-Tipp für das Spiel Österreich gegen Kroatien
Es ist fraglich, ob Österreich bei dieser Europameisterschaft stark genug sein wird, um die etablierten Mannschaften wenigstens zu ärgern. Für die Stimmung im Turnier kann man sich nur wünschen, dass Österreich von den Kroaten nicht überrannt wird. Es ist gut möglich, dass Österreich versuchen wird, das Spiel sehr langsam zu machen, damit Kroatien ungeduldig und unkonzentriert wird, woraus eklatante Fehler entstehen könnten. Außerdem waren auch die letzten Länderspielergebnisse Kroatiens nicht so überzeugend. Wenn sie aber ihre vorhandenen Stärken abrufen können, dann ist ein knapper Sieg für Kroatien (zum Beispiel 2:1) nicht so unwahrscheinlich.

Sonntag, 8. Juni 2008
Kroatien konnte 87 Minuten Kraft sparen.
Die Österreicher haben in der zweiten Halbzeit wohl ihr Maximum abrufen können, aber die Europameisterschaft kommt für diese Truppe wohl wirklich zu früh.