EM Tipp Spanien Russland
Sonntag, 8. Juni 2008 | Autor: Sportsmann
Zwischen diesen beiden Mannschaften bzw. den Mannschaften der Vorgängerstaaten gab es bisher acht Begegnungen, von denen Spanien vier und Russland eine gewinnen konnte. Die letzte Begegnung fand am 27. Mai 2006 statt in Albacete, als man sich in einem Freundschaftsspiel torlos trennte.
Mit der Begegnung Spanien gegen Russland greifen die Teams der letzten Gruppe in das Turniergeschehen ein und wie immer gelten die Spieler von der iberischen Halbinsel als Mitfavorit, während die russischen Kicker eher als Geheimfavorit einzustufen sind. Seit 44 Jahren warten die Anhänger der spanischen Nationalmannschaft allerdings auf einen großen Erfolg. 1964 holte die Spanier nämlich den EM-Titel im eigenen Land durch ein 2:1-Sieg im Endspiel gegen die damalige UdSSR. Dieser Erfolg war der Startschuss einer nie gekannten Serie von Enttäuschungen, gemessen an den jeweiligen Erwartungen. Vor jedem Turnier werden die Spanier als Mitfavorit gehandelt, um dann unverrichteter Dinge frühzeitig die Heimreise antreten zu müssen.
Derzeitige Form und die letzten Ergebnisse
Die letzten Spiele von Spanien in diesem Jahr:
- Spanien gegen USA 1:0
- Spanien gegen Peru 2:1
- Spanien gegen Italien 1:0
- Spanien gegen Frankreich 1:0
Die letzten Spiele von Russland in diesem Jahr:
- Russland gegen Litauen 4:1
- Russland gegen Serbien 2:1
- Russland gegen Kasachstan 6:0
- Rumänien gegen Russland 3:0
Stärken und Schwächen von Spanien und Russland
Dem kontinuierlichen Misserfolg zum Trotze gilt Spanien auch bei der diesjährigen Europameisterschaft wieder als einer der Mitfavoriten auf den Sieg. Von der individuellen Klasse müssten die Kicker um Trainer Luis Aragones zu den Topfavoriten zählen, wenn da nicht diese enttäuschten Erwartungen der Vergangenheit wären. In der Qualifikation war die spanische Nationalmannschaft einmal mehr eine Klasse für sich: Schweden und die starken Nordiren konnte man hinter sich lassen.
Überragender Mannschaftsteil war und ist das Mittelfeld der Iberer. Wer einen Fabregas, Iniesta, Silva oder Xavi in seinen Reihen hat, der muss keinen Gegner fürchten. Dieses Mittelfeld ist in der Lage, jeden Gegner unter Druck zu setzen, und mit klugen und schnellen Kurzpässen die gegnerische Abwehr auszuspielen. Abnehmer der Pässe ist in erster Linie Fernando Torres, der nach einer begeisterten ersten Saison für den FC Liverpool nun auch mit der Nationalmannschaft für Furore sorgen will. Neben ihm könnte David Villa spielen, der zwar ein enttäuschendes Jahr mit dem FC Valencia hinter sich hat, aber über den Torriecher eines echten Knipsers verfügt. Falls Luis Aragones das erprobte 4-1-4-1 mit Torres als einziger Spitze zugunsten eines Zweiersturms mit Torres und Villa aufgibt, dürfte der hochbegabte Fabregas einen Platz auf der Bank sicher haben.
In der Offensive besteht für Aragones aber kaum Handlungsbedarf; nimmt allerdings die gegnerische Mannschaft das Heft in die Hand, könnten die Spanier Probleme bekommen. Oftmals verlieren sie dann die notwendige Ordnung und die mittelmäßige Defensive kann dem Druck nicht mehr standhalten. Gerade die Außenseiten bergen Gefahren für das eigene Tor, denn weder Sergio Ramos auf rechts noch Joan Capdevila auf der linken Seite haben genügend Potential, um dauerhaft für Sicherheit zu sorgen. Besonders Real Madrids Außenverteidiger Sergio Ramos neigt zu Undiszipliniertheiten. Auch das defensive Mittelfeld mit Senna und die Innenverteidigung mit Puyol und Marchena sind skeptisch zu bewerten.
Zwar verfügen alle genannten Spieler über eine herausragende Zweikampfhärte, allerdings könnte die fehlende Technik im Duell mit den russischen Supertechnikern zum Problem werden. Die Spanier tun also gut daran, den Ball mittels der gefürchteten Ballstaffetten so lange wie möglich in den eigenen Reihen zu halten. Wenn dann noch die Chancen besser genutzt werden wie in der Vergangenheit könnten die Spanier tatsächlich zu den großen Favoriten aufsteigen. Dies würde übrigens ohne das große Idol Raul geschehen, der wegen teaminterner Machtkämpfe nicht für den Kader berücksichtigt wurde - sollte die Mannschaft wieder früh scheitern, wäre dies wohl für die meisten Anhänger die eigentliche Ursache des Scheiterns. Luis Aragones müsste dann aber nicht zum Rücktritt gezwungen werden; er hört als Trainer nach der diesjährigen Europameisterschaft sowieso auf.
Sein Gegenüber hat wohl Gedankenspiele ganz anderer Art, denn der holländische „Trainerfuchs“ Guus Hiddink muss in den ersten beiden Spielen auf den pfeilschnellen Stürmer Andrei Arshavin von Zenit St. Petersburg verzichten. Dieser hatte sich im letzten Qualifikationsspiel gegen Andorra eine rote Karte abgeholt. Außerdem muss Hiddink auch noch kurzfristig Pavel Pogrebnyak ersetzen, der sich kurz vor der Europameisterschaft schwer verletzt hat. Ohne diese beiden fehlt der russischen Mannschaft wohl die notwendige Durchschlagskraft, um ganz vorne mitzuspielen. Jedoch ist die Fußballwelt seit dem Sieg von Zenit St. Petersburg im UEFA-Cup gewarnt; der russische Fußball befindet sich klar auf dem Weg nach oben, auch dank ausländischer Trainer wie Guus Hiddink.
Taktisch werden die Russen wohl einen starken Defensivverbund vor Torhüter-Talent Igor Akinfeev aufziehen, in dem vor allem dem Defensivmittelfeld mit Konstantin Zyryanov, Igor Semshov und Diniyar Bilyaletdinov eine entscheidende Rolle zukommt. Wer letztendlich im Sturm spielt, ist noch nicht sicher, aber Hiddink wird sicherlich wieder überraschen. Zum Problem könnte die mangelnde internationale Erfahrung der russischen Kicker werden. Die meisten Profis spielen in der heimischen Liga, deren Niveau noch nicht spitzenmäßig ist. Zumindest fit dürften sie sein, denn die Saison befindet sich gerade in ihrer Mitte. Als entscheidender Faktor könnte sich also die Fitness erweisen, wie schon die Bayern gegen Zenit St. Petersburg schmerzlich erfahren mussten.
EM-Tipp für das Spiel Spanien gegen Russland
Die Fans dürfen sich bei der Begegnung jedenfalls auf einen technischen Hochgenuss freuen, denn die beiden Teams haben einige Edeltechniker in ihren Reihen. Die Bilanz dürfte allerdings nur den Spaniern Mut machen. Zwei Begegnungen bei Europameisterschaften fanden bisher zwischen Spanien und Russland (bzw. der UdSSR) statt. Beide konnten die Kicker von der iberischen Halbinsel für sich entscheiden. Für die Russen spricht allerdings die Fitness und nicht zuletzt die Qualifikation zu dieser Europameisterschaft, in der sie immerhin England hinter sich lassen konnten. Auch in dieser Begegnung liegt eine Überraschung in der Luft, wenn Russland schnell ins Spiel findet und mit eigenen Aktionen die spanische Offensive möglichst weit vom eigenen Tor fernhalten kann. Ein 1:1 würde beiden Mannschaften noch alle Möglichkeiten offen lassen.
