Niederlande Frankreich Tipps Europameisterschaft
Mittwoch, 11. Juni 2008 | Autor: Sportsmann
Die Niederlande können in das Spiel gegen Frankreich mit breiter Brust gehen. Nach dem überzeugenden Sieg gegen den Weltmeister Italien wäre selbst eine Niederlage kein Beinbruch, aber um ein mögliches Endspiel gegen Rumänien im letzten Gruppenspiel zu vermeiden, wird die Mannschaft von Marco van Basten alles geben, um schon vorzeitig ins Viertelfinale einzuziehen. Nach dem Eindruck des ersten Auftritts der Franzosen ist dies durchaus möglich. Die in jeder Hinsicht enttäuschende Mannschaft von Raymond Domenech wird sich enorm steigern müssen, um nicht schon nach zwei Spielen schon alle Titelträume zu beerdigen.
Rückblick auf das erste Spiel von den Niederlanden und Frankreich bei der Europameisterschaft
Die Niederlande überzeugten im ersten Spiel mit einer sehr guten Mannschaftsleistung. Gerade die im Vorfeld oft kritisierte Abwehr spielte hervorragend und ließ vor allem Luca Toni kaum Gelegenheit zur Entfaltung. Auch die Struktur des Teams mit den zwei defensiven Mittelfeldspielern Nigel de Jong und Orlando Engelaar als Absicherung kann als äußerst gelungen bezeichnet werden. Im Vorfeld der Europameisterschaft war es van Basten nicht immer gelungen, die richtige Mischung in der Offensive zu finden, doch mit dem zentralen Wesley Sneijder und dem wuseligen Rafael van de Vaart auf der linken und dem laufstarken Dirk Kuyt auf der rechten Seite hinter Ruud van Nistelrooy konnte sein Team von Beginn an überzeugen. Allerdings darf es nicht mehr passieren, dass man phasenweise das Spiel aus der Hand gibt, wie es gerade in der zweiten Halbzeit gegen Italien der Fall war. Es muss gelingen, das Spiel auch dann zu kontrollieren, wenn man selbst nicht zu Offensivaktionen kommt.
Die Franzosen spielten gegen Rumänien erschreckend schwach und wirkten völlig uninspiriert. Dies kann nicht alleine am Fehlen von Patrick Vieira gelegen haben. Viele Spieler sind über ihren Zenit hinaus und bringen zwar noch eine solide, aber keine herausragende Leistung. So ist Willi Sagnol nur ein Schatten früherer Tage und schafft es meistens nicht mal mehr, aus dem Halbfeld zu flanken. Lilian Thuram, Claude Makelele, William Gallas und auch Thierry Henry sind über ihren Zenit hinaus und können nicht mehr die nötige Klasse in die Wagschale werfen. Nur Franck Ribery ragt aus dieser Mannschaft heraus, kann aber alleine das Ruder nicht herumreißen. Der junge Karim Benzema im Sturm ist sicher ein Hoffnungsträger, aber bei dieser Europameisterschaft noch zu jung, um schon Verantwortung zu tragen.
Auch wenn sich im ersten Spiel gezeigt hat, dass der Traum vom EM-Titel kaum erfüllbar sein wird, sollte eine Steigerung möglich sein. Dazu ist zuviel Potential in dieser Mannschaft vorhanden. Allerdings haben alle Experten, die Frankreich zum Favoriten auf den Titel gemacht haben, übersehen, dass 2006 der geniale Zinedine Zidane für die nötige Kreativität gesorgt hat. Dieser konnte bisher in keiner Weise ersetzt werden.
Ausblick auf die notwendigen Verbesserungen zwischen den Niederlanden und Frankreich
Die Niederlande müssen nichts grundsätzlich verändern im Vergleich zum ersten Spiel. Die wenigen Schwächen, die in den Druckphasen der Italiener zum Vorschein kamen, hatten vor allem mit etwas nachlassender Konzentration und fehlender Konsequenz zu tun. Van Basten wird seine Spieler sicher darauf hinweisen, dass dies gegen Frankreich zu vermeiden ist. Im Spiel nach vorne war hingegen das Spiel gegen Italien zeitweise lehrbuchreif. Wie mit zwei oder drei Pässen der Ball über den ganzen Platz in die Spitzen gespielt wurde, war schlichtweg beeindruckend. Da die Franzosen in ihrer Grundausrichtung ähnlich wie die Italiener agieren werden, sollte das schnelle Spiel nach vorne den Niederländern einen klaren Vorteil einräumen.
Frankreich müsste vieles verbessern, aber ob Trainer Domenech dazu in der Lage ist, bleibt doch wenigstens fraglich. Zu oft schon hat er in der Vergangenheit stur an seinem Konzept festgehalten. Wäre er nicht überraschend ins Finale der letzten Weltmeisterschaft gekommen, hätte wohl längst ein anderer Mann seinen Posten eingenommen. Domenech hat es nicht geschafft, den Generationswechsel rechtzeitig einzuleiten und könnte dafür die Quittung bei diesem Turnier bekommen. Zudem setzt er seinen besten Mann, Ribery, auf der falschen Seite ein und beraubt ihn damit seiner größten Stärken. Während auf der linken Seite der völlig überschätzte Florent Malouda agiert, verschenkt Domenech Ribery als Rechtsaußen. Hätte Domenech sich die Spiele der Bayern genauer angeschaut, hätte er feststellen können, dass Ribery auf der linken Seite seine ganze Stärke ausspielen kann. Er kann dann in die Mitte ziehen und den Ball auf seinen starken Fuß legen oder links am Gegenspieler vorbeigehen und den Ball hereingeben. Auf der rechten Seite hingegen entfällt die Option, in die Mitte zu ziehen, da sein Gegenspieler weiß, dass er nicht aus größerer Entfernung mit links auf das Tor schießen wird.
Ausblick auf die Mannschaften und Taktik zwischen den Niederlanden und Frankreich
Die Niederländer werden vermutlich mit derselben Mannschaft spielen und auch in der taktischen Ausrichtung gibt es keinen Grund für eine Änderung. Wenn es Sneijder wieder gelingt, das Spiel aus der Tiefe heraus zu gestalten, dann werden früher oder später Chancen für van Nistelrooy kommen. Nach einem starken Jahr in Real Madrid wirkt dieser hoch motiviert bei seiner vielleicht letzten Chance auf einen Titel mit der Nationalelf.
Die Niederländer haben noch einige hochkarätige Alternativen im Kader, allen voran Arjen Robben. Der Stürmer laboriert jedoch noch an Leistenproblemen und da sein Einsatz nicht zwingend erforderlich ist, könnte van Basten ihn gegen die Franzosen noch schonen. Im Sturm stehen Robin van Persie und Klaas-Jan Huntelaar bereit, die im Falle eines Rückstandes kommen könnten, um den nötigen Druck zu entfachen.
Die Franzosen müssen mehr den Weg zum Tor suchen, als sie dies noch gegen Rumänien getan haben. Ein Unentschieden könnte nicht reichen und so wird man wohl oder übel mindestens ein Tor schießen müssen. Angesichts der Topstürmer Anelka, Henry und Benzema sollte dies wenigstens im Bereich des Möglichen liegen. Ohne Zidane scheint in der Mannschaft aber niemand zu sein, der auf dem Platz initiativ wird und nicht nur blind den Anweisungen des Taktikfanatikers Domenech folgt.
EM-Tipp für das Spiel Niederlande gegen Frankreich
Die Niederlande wussten im ersten Spiel besonders in der Offensive zu überzeugen, wenngleich die Defensive bei den italienischen Chancen etwas Glück hatte. Die Franzosen wirkten gegen Rumänien nicht gerade sehr spielfreudig, allein Riberys Kreativität war es zu verdanken, dass offensive Spielzüge überhaupt zu verzeichnen waren. Im Spiel gegen die Niederlande benötigt er mehr Unterstützung aus dem Mittelfeld. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Niederlande einen ähnlich hohen Sieg wie im ersten Spiel erreichen können; stattdessen wird es einen Schlagabtausch auf Augenhöhe werden, den die glücklichere Mannschaft gewinnen könnte. Als Tipp - und dann wäre es wiederum eine kleine Überraschung - lege ich mich mal auf ein 2:1 für Frankreich fest.
