Russland Spanien Tipp Halbfinale EM 2008

Montag, 23. Juni 2008 | Autor: Sportsmann


Im zweiten Halbfinale der Europameisterschaft 2008 am Donnerstag, den 26. Juni 2008, stehen sich Russland und Spanien im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegenüber. Damit kommt es bei dieser Europameisterschaft zu einem zweiten Spiel zwischen beiden Mannschaften; denn im ersten Gruppenspiel besiegten die Spanier die Russen mit 4:1. Spanien hat zum ersten Mal seit 1984 wieder das Halbfinale einer Europameisterschaft erreicht; Russland stand als Sowjetunion 1988 das letzte Mal in einem EM-Halbfinale. Beide Mannschaften wussten im bisherigen Turnierverlauf durch hohe Laufbereitschaft, herausragende Technik und taktische Disziplin zu überzeugen, so dass das Halbfinalspiel zwischen Russland und Spanien bei der EM 2008 sicher auf Augenhöhe stattfinden wird.

Rückblick auf den bisherigen Turnierverlauf beider Mannschaften

Russland war eine große Unbekannte vor der der Europameisterschaft. Spätestens jedoch seit dem Sieg von Zenit St. Petersburg im UEFA-Cup in diesem Jahr musste jedem klar sein, dass die Nationalmannschaft über ein großes Repertoire an begabten Fußballern verfügen kann. Da Geld offenbar keine Rolle spielt im russischen Fußball, konnte auch ein so brillanter Trainer wie Guus Hiddink verpflichtet werden, obwohl dieser Angebote von fast allen europäischen Spitzenclubs hatte. Wenn man der russischen Mannschaft bei diesem Turnier zugeschaut hat, kann man die Verantwortlichen nur zu diesem Coup beglückwünschen. Hiddink hat Russland den modernen Hochgeschwindigkeits-Fußball geschenkt und die Mannschaft taktisch bestens ausgebildet. Seine Handschrift erkennt man unter anderem daran, dass schnell und schnörkellos in die Spitze gespielt wird und auch das Spiel ohne Ball in höchstem Tempo stattfindet - und das sogar bei eigener Führung, während andere Mannschaften sich eher auf die Defensive beschränken.

Die Europameisterschaft begann aber wenig viel versprechend für das junge russische Team. Kurz vor dem ersten Spiel fiel der Mittelstürmer Pavel Pogrebnyak verletzt für das gesamte Turnier aus. Zudem musste man für die ersten zwei Spiele auf den gesperrten Andrei Arshavin verzichten. Deswegen war es nicht verwunderlich, dass der Start in die EM 2008 für Russland holprig war. Die 1:4 Niederlage gegen Spanien war völlig verdient und offenbarte die Schwächen des jungen Teams. Gegen Griechenland (1:0) fand bereits eine deutliche Leistungssteigerung statt und der Sieg gegen Schweden (2:0) war vollends überzeugend. Gegen die Niederlande im Viertelfinale lieferten die Russen schließlich ihr bisheriges Meisterstück ab. Sie waren in allen Belangen der überragenden Mannschaft der Vorrunde überlegen und haben hochverdient mit 3:1 gewonnen. Der Schlüssel für diesen Sieg lag in der taktischen und läuferischen Überlegenheit, die schon in der regulären Spielzeit zum Sieg hätte führen müssen. Einzig die schlechte Chancenverwertung verhinderte dies und ließ den Niederlanden die Möglichkeit, noch eine Verlängerung zu erspielen, in der sie dann endgültig vorgeführt wurden.

Spanien besitzt seit jeher gute Spieler und schickt stets eine nominell starke Nationalmannschaft zu den großen Turnieren. Nicht selten sieht man von spanischen Mannschaften famosen Fußball in der Vorrunde, der dann jedoch im ersten K.o.-Spiel Geschichte ist. Dieses Mal ist es anders. Der erfahren Trainer Luis Aragones hat es tatsächlich geschafft, aus vielen guten Einzelspielern ein funktionierendes Kollektiv zu formen. Dazu ließ er sogar die Fußballikone Raúl von Real Madrid zuhause und setzt lieber auf junge Spieler.

Im ersten Spiel gegen Russland zeigte Spanien eine überragende Leistung, die allerdings auch vom naiven Verhalten des Gegners begünstigt wurde. Dadurch konnten die Spanier ihr kleinteiliges Kurzpassspiel aufziehen und die schnellen Stürmer freispielen. Kommt die spanische Armada erst einmal auf Touren, bietet sie einen großartigen Fußball, der auf Ballbesitz und Dominanz ausgerichtet ist. Auch gegen Schweden (2:1) und Griechenland (2:1, mit einer B-Elf) beeindruckte die spanische Elf, konnte aber nicht mehr den Glanz des Auftaktspieles aufblitzen lassen. Viel wichtiger als die gute Vorrunde ist jedoch der Sieg gegen Italien im Viertelfinale. In einem Spiel, in dem keine Mannschaft einen Fehler begehen wollte, war Spanien feldüberlegen, konnte aber nie Druck erzeugen und nur wenige Chancen herausspielen. Um einen großen Titel zu holen, muss man gerade solche Spiele gewinnen.

Taktik für das Halbfinalspiel zwischen Russland und Spanien

Die Russen werden mit einer ähnlichen Taktik wie gegen die Niederlande auch gegen Spanien spielen, da die Spielanlage der beiden Teams durchaus vergleichbar ist. Mit einer hohen Aggressivität in den Zweikämpfen müssen die Spanier frühzeitig unter Druck gesetzt werden und in ihrem Aufbauspiel behindert werden. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass die spanischen Stürmer Fernando Torres und David Villa zu viel Raum bekommen und ihre Schnelligkeit ausspielen können. Wenn es gelingt, die Passwege in die Spitze zuzustellen und die Passgeber zu attackieren, sollten sich beste Möglichkeiten für das fantastische Konterspiel der Russen ergeben.

Wie man gegen Italien gut beobachten konnte, sind die Spanier gegen eine aggressive und gut organisierte Defensive kaum in der Lage, Chancen zu erspielen. Über Außen findet fast kein Spielaufbau statt, so dass man in der Zentrale des Platzes auch das Herz des spanischen Spieles findet. Um das Aufbauspiel der Spanier effektiv zu stören, müssen die zentralen Mittelfeldspieler schon bei der Ballannahme unter Druck gesetzt werden. Dann macht zum Beispiel auch ein Xavi Fehler und verliert mitunter die Lust. Bislang wurde die Defensive der Spanier kaum gefordert, aber die Mannen um Carles Puyol sollten gegen die schnellen russischen Stürmer Mühe haben.

Die Spanier haben nun ihr Trauma überwunden und fühlen sich bereit für den großen Wurf bei dieser Europameisterschaft. Damit dieser gelingen kann, müssen sie an die Leistungen in der Vorrunde anknüpfen und ihr sehenswertes Offensivspiel aufziehen. Im Mittelfeld und im Angriff sind sie erstklassig besetzt und können jede Abwehr der Welt ins Wanken bringen. Dazu muss aber, anders als gegen Italien, schnell und konsequent in die Spitze gespielt werden. Die Italiener haben es mit ihrer destruktiven Spielweise geschafft, die Spanier zu entnerven und ihnen ihre Taktik aufzwingen. Dies lag vor allem daran, dass kaum direkt und in die Tiefe gespielt wurde. Stattdessen gefielen sich die spanischen Mittelfeldspieler darin, den Ball mit zwei oder drei Kontakten in den eigenen Reihen zu halten. Jedes Risiko wurde vermieden und mit ein bisschen Glück hätten die Italiener im Elfmeterschießen Profit daraus ziehen können.

Mit Russland wartet eine Mannschaft im Halbfinale, die deutlich aktiver und offensiver auftreten wird als Italien. Vor allem die linke Seite der Russen ist bärenstark und wird von Yuri Zhirkov überragend bespielt. Mit einem unglaublichen Laufpensum, einer tollen Technik und hoher Geschwindigkeit wird er Sergio Ramos alles abverlangen. Der zweite Russe, der ausgeschaltet werden muss, ist Andrey Arshavin. Zuerst hat er im UEFA-Cup Bayer Leverkusen, dann die Bayern abgeschossen, um nun bei der Europameisterschaft die Schweden und Niederländer das Fürchten zu lehren. Arshavin ist der Prototyp des modernen Fußballers: Pfeilschnell, technisch versiert und taktisch perfekt ausgebildet. Aus der Tiefe kommend ist er kaum zu stoppen und muss deshalb möglichst schon vor der Ballannahme gestellt werden. Nur wenn ihm der Platz für sein Spiel fehlt, kann ihm seine Effektivität genommen werden. Laufduelle sollte man mit ihm vermeiden, da er selbst aus unübersichtlichen Situationen noch präzise eine Spielidee umsetzen kann.

Aufstellung für das Halbfinalspiel zwischen Russland gegen Spanien

Nach dem glanzvollen Sieg gegen die Niederlande hat Guus Hiddink keinen Grund, seine Elf zu verändern. Allerdings könnte er aus taktischen Gründen Ivan Saenko aus dem Team nehmen, der vor allem den Offensiv-Verteidiger Giovanni van Bronckhorst beschäftigen sollte, und dafür das Mittelfeld verstärken. Da die Spanier mehr durch die Mitte als über Außen kommen, könnte dies eine sinnvolle Strategie sein.

Aragones hat im Mittelfeld die Qual der Wahl. David Silva und Marcos Senna sind gesetzt nach ihren starken Leistungen gegen Italien. Aber ob dazu dann Iniesta, Xavi, Santi Cazorla oder Cesc Fabregas zum Zuge kommen ist fast egal, da die Leistungsdichte sehr groß ist. Lediglich Xabi Alonso scheint an Boden verloren zu haben. Die Abwehr um Puyol und der Sturm mit Torres und Villa werden sich nicht verändern, da es keine gleichwertigen Alternativen gibt.

EM-Tipp für das Halbfinalspiel Russland gegen Spanien

Beide Mannschaften sind verdient in die Runde der letzten Vier eingezogen und haben im Verlaufe des Turniers bereits mehrfach ihre Klasse nachgewiesen. Einen neutralen Beobachter kann dieses Ergebnis nur freuen, denn sowohl Russland als auch Spanien zelebrieren schnellen und offensiven Fußball. Beide Teams haben ihre Stärken in der Offensive und können nach großen Siegen mit riesigem Selbstbewusstsein auftreten. Dies sollte ein interessantes Spiel garantieren. Nach den gezeigten Leistungen ist der Ausgang der Partie völlig offen. Sollte es allerdings wieder in eine Verlängerung gehen, könnten die Russen mit ihrer überragenden Physis im Vorteil sein. Mein Tipp lautet 2:1 für Russland.

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Thema: Europameisterschaft Fußball, Sportwetten-Tipps

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Ein Kommentar

  1. 1
    Sportsmann 
    Freitag, 27. Juni 2008

    Die Russen waren leider nicht in der Lage, die bisherigen Leistungen aus dem Turnier zu bestätigen. Man hatte tatsächlich das Gefühl, dass sie nicht mehr konnten - und dass das nur an ihnen selbst lag und nicht am Gegner.

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